Originalartikel

 

 

Pritchard, V.L., Lawrence, J., Butlin, R.K., Krause, J., 2001. Shoal choice in zebrafish, Danio rerio: the influence of shoal size and activity. Anim. Behav. 62, 1085-1088. (abstract)

Fisch-Bibliothek 2001
 

Aktive Gruppen sind beliebter

 

Das Leben in der Gruppe bietet Vor- und Nachteile. Ob das erstere oder letztere für ein Individuum zutrifft, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem von der Gruppengrösse. Man nimmt generell an, dass das Leben in einer grösseren Gruppe das Risiko des Gefressenwerdens senkt, weil der Räuber durch die vielen Individuen verwirrt wird, viele Augen mehr sehen und mehr Information ausgetauscht (soziales Lernen) wird. Es kann auch sein, dass mehr Individuen gemeinsam erfolgreicher nach Futter suchen. Es gibt gute Hinweise, dass Fische Gruppen verschiedener Grösse unterscheiden können, wobei die Aktivität des Gruppe eine Rolle spielen kann.

 

Dies wurde nun in einem Versuch mit Zebrafischen (Danio rerio) untersucht. Dabei wurden die Grösse der Gruppe und die Aktivität der Fische variiert. Die Aktivität wurde über die Temperatur des Wassers beeinflusst (15, 20 bzw. 25 Grad) und es zeigte sich, dass die Zebrafische bei kühleren Temperaturen deutlich weniger aktiv waren. Bei gleichbleibenden Temperaturen bevorzugten die Zebrafische jeweils der grösseren Gruppe. Wurde aber die Aktivität mittels kühlerer Temperaturen reduziert, wählten sie die jeweils aktivere Gruppe, auch wenn dieser der kleinere war.

 

Zebrafische wählen also aktivere Gruppen, obwohl die möglicherweise auffälliger sind gegenüber Räubern. Das kann verschiedene Gründe haben. Möglicherweise bedeuten aktivere Gruppen für sie auch grössere Gruppen. Oder aktivere Gruppen sind attraktiver, weil sie Futterplätze schneller finden oder für Räubern eben verwirrender sind. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Zebrafische aktivere Artgenossen bevorzugen, weil sie möglicherweise Fitnessvorteile bringen. Ob sie aber die Aktivität dazu benutzen, um die Grösse der Gruppe einzuschätzen, muss weiter untersucht werden.

 

 

Autoren: V.L. Pritchard, J. Lawrence, R.K. Butlin, J. Krause

 

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