Guppys sind beliebte Zierfische

Guppy (Poecilia reticulata), © Adrian Afonso / CC BY-NC-SA 2.0
 

Originalartikel

Burns, J.G., Saravanan, A., Rodd, F.H., 2009. Rearing Environment Affects the Brain Size of Guppies: Lab-Reared Guppies have Smaller Brains than Wild-Caught Guppies. Ethology 115, 122-133 (abstract)

 

Fisch-Bibliothek 2009
 

Eine reizarme Umgebung vermindert die Hirngrösse

Domestizierte Tiere oder Tiere, die für die menschliche Nutzung gezüchtet werden, haben häufig kleinere Gehirne als ihre wilden Artgenossen und zeigen Unterschiede im Verhalten. Beispielsweise werden Tiere durch die Zucht zutraulicher und fügsamer. Gut bekannt ist, dass Domestikationseffekte auf genetischen Veränderungen basieren. Zusätzlich wirkt aber auch die Umwelt auf einen Organismus ein. Die Umweltbedingungen, unter denen Tiere in menschlicher Obhut und ihre wilden Artgenossen leben, unterscheiden sich meist stark. Daher stellt sich die Frage, in welchem Ausmass solche Veränderungen im Erscheinungsbild (Phänotyp), wie zum Beispiel ein kleineres Hirn, auch durch unterschiedliche Umweltbedingungen entstehen. Bei Nagern hat man beispielsweise festgestellt, dass Individuen, die in einer an Umweltreizen reichen Haltung aufgezogen werden, grössere Hirne haben als solche, die aus einer reizarmen Umgebung stammen.

 

Bei Guppys (Poecilia reticulata) wurde untersucht, wie schnell sich veränderte Umgebungsbedingungen auf die Hirngrösse auswirken. Dazu wurden wilde Guppys gefangen und im Labor vermehrt. Verglichen mit ihren wilden Müttern hatten die unter typischen Laborbedingungen (kleine, unstrukturierte Aquarien) aufgezogenen Töchter (F1-Generation) deutlich kleinere Hirne. Um diese Unterschiede zu erklären, wurden anschliessend im Labor geborene Guppys unter unterschiedlich reich strukturierten Haltungsbedingungen aufgezogen. Der Vergleich der Bedingungen zeigte jedoch keine Unterschiede in den Hirngrössen auf.

 

Veränderungen in der Hirngrösse können also bereits innerhalb einer Generation auftreten. Dies deutet darauf hin, dass in standardisierten Laborbedingungen wichtige Reize für die Hirnentwicklung fehlen. Welche Umgebungsreize dafür verantwortlich sind und ob dadurch auch Verhaltensänderungen auftreten, konnte diese Studie aber nicht nachweisen. Für eine verlässliche (Grundlagen)Forschung und eine artgerechte Haltung von Fischen ist es zentral, dass sich das Gehirn und somit auch das Verhalten normal entwickeln können. Es ist also wichtig zu erforschen, welche Haltungsbedingungen dazu nötig sind.

 

Autoren: J.G. Burns, A. Saravanan, F.H. Rodd

 

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