Bei Forschern und Aquarianern beliebt

Dreistachliger Stichling (Gasterosteus aculeatus), © Jack Wolf / CC BY-NC-SA 2.0
 
 

Originalartikel

 

Brydges, N.M., Boulcott, P., Ellis, T., Braithwaite, V.A., 2009. Quantifying stress responses induced by different handling methods in three species of fish. Appl. Anim. Behav. Sci. 116, 295-301. (abstract)

Fisch-Bibliothek 2009
 

Fangstress kann reduziert werden

Fische müssen sowohl in Heimaquarien oder für Experimente im Labor gehandhabt werden. Zum Beispiel, wenn sie von einem Aquarium ins andere transferiert werden müssen. Dazu werden die Fische meist mit Netzen gefangen und dabei der Luft ausgesetzt. Man geht davon aus, dass die Fische durch diese Art von Handhabung einen physiologischen und psychischen Stress erleiden. Zudem kann die Haut bzw. die Schleimschicht durch das Netz verletzt werden, was es Parasiten und Pathogenen (Krankheitserregern) leichter macht, in den Fisch einzudringen und ihn zu schwächen. Es ist also wichtig, diesen Stress möglichst zu reduzieren.

Die Autoren dieser Studie haben untersucht, ob das Fangen mit einem Behälter, bei dem die Fische im Wasser bleiben, weniger stressig ist für die Fische im Vergleich zum Fangen mit Netz. Neben der Messung des Cortisollevels im Blut ist die Kiemenschlagrate ein häufig verwendetes Mass, um Stress zu messen. Diese Rate kann ansteigen, weil der Fisch einen erhöhten Bedarf an Sauerstoff hat und/oder weil er sich ängstigt.

Die in dieser Studie verwendeten Dreistachligen Stichlinge (Gasterosteus aculeatus) und Bischofskärpflinge (Brachyraphis episcopi) wiesen beim Fang mit Wasserbehälter geringere Kiemenschlagraten auf als beim Netzfang. Regenbogenforellen (Oncorhynchus mykiss) hingegen zeigten bei beiden Varianten gleich stark erhöhte Kiemenschlagraten. Salmoniden scheinen generell sehr sensibel auf das Behändigen zu reagieren. Bei den Stichlingen waren zudem die Cortisolwerte unter beiden Varianten erhöht.

 

Die Resultate zeigen erstens, dass nicht nur das Einfangen per se, sondern auch die Art des Einfangens einen Einfluss auf das Wohlbefinden der Fische hat. Dies ist auch für die Aussagekraft von Experimenten von Wichtigkeit, da gestresste Tiere in Tests möglicherweise anders reagieren. Und zweitens gibt es Artunterschiede zu berücksichtigen. 

 

Autorinnen: N.M Brydges, P. Boulcott, T. Ellis, T., V.A. Braithwaite

 

zurück zur Artikelsammlung