Originalartikel

 

Gouveia, A., Zampieri, R.A., Ramos, L.A., Da Silva, E.F., Mattioli, R., Morato, S., 2005. Preference of goldfish (Carassius auratus) for dark places. Revista de Etologia 7, 63-66. (abstract)

 

 

In diesem Artikel wird der genaue Versuchsaufbau des Hell-Dunkel-Tests mit Fischen beschrieben:
Maximino, C., de Brito, T.M., Dias, C., Gouveia, A., Morato, S., 2010. Scototaxis as anxiety-like behavior in fish. Nature Protocols 5, 209-216.


Weitere Artikel zum Thema:
Stephenson, J.F., Whitlock, K.E., Partridge, J.C., 2011. Zebrafish Preference for Light or Dark Is Dependent on Ambient Light Levels and Olfactory Stimulation. Zebrafish 8, 17-22.

(Zusammenfassung Fisch-Bibliothek: Hell oder dunkel?)

Serra, E.L., Medalha, C.C., Mattioli, R., 1999. Natural preference of zebrafish (Danio rerio) for a dark environment. Brazilian Journal of Medical and Biological Research 32, 1551-1553.

(Kurzusammenfassung Fisch-Bibliothek: Dunkle Umgebung wird bevorzugt)

Maximino, C., Marques, T., Dias, F., Cortes, F.v.V., Taccolini, I.B., Pereira, P.C.M., Colmanetti, R., Gazolla, R.A.n., Tavares, R.I., Rodrigues, S.T.K., 2007. A comparative analysis of the preference for dark environments in five teleosts. International Journal of Comparative Psychology 20. (abstract)


Fisch-Bibliothek 2005
 

Sicherheit durch Dunkelheit

Kommentar fischwissen >>

 

In der Angst-Forschung mit Nagetieren wird seit längerem der Hell-Dunkel-Präferenz-Test eingesetzt. Mit diesem Test kann man untersuchen, ob den Tieren eine bestimmte Umwelt Angst einflösst. Dabei macht man sich die natürliche Abneigung der Tiere gegen eine helle Umgebung, aber auch ihre natürliche Erkundungsfreude zu nutze. Der dunkle Bereich steht für Deckung und damit eine eher sichere Umgebung, während der helle Bereich eine eher risikoreiche Umgebung darstellt. Im Test werden die Tiere in eine Versuchsanordnung gebracht, in der sie zwischen einem hellen und einem dunklen Bereich wählen können. Um die Bevorzugung eines Bereichs nachzuweisen, wird die Aktivität der Tiere in den jeweiligen Bereichen gemessen.

Anwendung bei Goldfischen
Mittlerweile hat man diesen Test auch mit Fischen durchgeführt, unter anderen mit Goldfischen (Carassius auratus). Zentral ist bei diesem Test, dass man die Fische in eine echte Konfliktsituation bringt: Soll ich mich verstecken oder soll ich die Umgebung nach Fressbarem oder Artgenossen erkunden?

Die für den Test verwendeten Aquarien werden in ein weisses und ein schwarzes Abteil unterteilt. Als Ausgangspunkt für den Test dient ein kleines Abteil, das mit Schiebetüren versehen ist. Nach einer Angewöhnungsphase werden diese geöffnet, so dass die Fische das ganze Aquarium erkunden können. Während einer bestimmten Zeit wird festgehalten, wie oft die Fische das schwarze oder weisse Abteil aufsuchen und wie lange sie dort bleiben. Das Verhalten der Fische macht den Konflikt der Tiere sichtbar, einerseits in Deckung bleiben (schwarzes Abteil) und anderseits die Umgebung erkunden zu wollen.

Die Untersuchungen mit Goldfischen haben ergeben, dass Goldfische das schwarze Abteil bevorzugen und das helle Abteil eher meiden. Goldfische kommen häufig in eher seichteren Gewässern vor, wo sie beispielsweise von Wasservögeln erbeutet werden. Ihre Vorliebe fürs Dunkle könnte also auf ein angepasstes Verhalten zur Feindvermeidung hindeuten.

 

Autoren der Studie: Gouveia, A., Zampieri, R.A., Ramos, L.A., Da Silva, E.F., Mattioli, R., Morato, S.

Anwendung bei weiteren Fischarten
Auch bei Zebrafischen hat man eine Präferenz für dunkle Bereiche beobachtet. Diese ist jedoch abhängig vom Alter, denn Zebrafischlarven suchen eher helle Bereiche auf, während erwachsene Zebrafische eine dunkle Umgebung bevorzugen. Dies hängt damit zusammen, dass die Melanozyten erst bei den ausgewachsenen Tieren voll ausgebildet sind. Die dadurch dunkler gefärbten Tiere sind in dunkler Umgebung entsprechend besser getarnt.

Bei folgenden weiteren Fischarten konnte eine Bevorzugung von dunklen Bereichen nachgewiesen werden: Guppy (Poecilia reticulata), Astyanax altiparanae, Roter Neon (Paracheirodon axelrodi), Gebändeter Messeraal (Gymnotus carapo).

 

Kommentar fischwissen:

 

Relevanz für Aquarienhaltung

Wie viele andere Heimtiere weisen auch die Aquarienfische noch viel von ihrem natürlichen Verhaltensrepertoire auf, so auch das Meideverhalten gegenüber Störungen oder bedrohlichen Situationen. Daher ist es bei Arten, die sich bei Gefahr zurückziehen wichtig, dass man im Aquarium dunklere Rückzugsorte und Verstecke anbietet.

 

 

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