Originalartikel

 

Sneddon, L.U., 2002. Anatomical and electrophysiological analysis of the trigeminal nerve in a teleost fish, Oncorhynchus mykiss. Neurosci. Lett. 319, 167-171. (abstract)

Fisch-Bibliothek 2002
 

Spezielle Nervenzellen für Schmerzreize

Will man Schmerzempfinden bei Tieren nachweisen, muss man wissen, ob sie die neuroanatomischen Voraussetzungen dazu haben. Bei Säugetieren und Vögeln sind Nozizeptoren (schmerzempfindliche Nerven) gut untersucht. Bis in die 2000er Jahre gab es keine umfassenden Informationen darüber, ob auch Knochenfische über Nozizeptoren verfügen. Man hatte zwar Hinweise auf bestimmte Nerventypen, aber der Zusammenhang mit der Nozizeption wurde nicht untersucht. Nozizeption ist die Fähigkeit eines Lebewesens, für potentiell schädliche (noxische) Reize empfänglich zu sein und darauf reagieren zu können.

 

In dieser Studie wurde der Trigeminusnerv bei Regenbogenforellen (Oncorhynchus mykiss) genauer untersucht. Der Trigeminusnerv ist ein wichtiger Kopfnerv und für einen grossen Teil der somatosensorischen Innervation (Temperatur, Schmerz, Berührung, Geruch) des Gesichts und des Kopfes bei Wirbeltieren verantwortlich. Die Autoren führten anatomische und elektrophysiologische Analysen des Nervs durch.

 

Die anatomische Untersuchung mit dem Mikroskop ergab, dass der Trigeminus der Regenbogenforellen A-alpha, A-beta, A-delta und C-Fasern enthält, dieselben Nervenfasertypen also, die auch bei Säugetieren vorkommen. Der Aufbau des Trigeminus ist demnach bei allen Wirbeltieren ähnlich, einzig die relative Anzahl der verschiedenen Fasertypen unterscheidet sich. In der elektrophysiologischen Untersuchung wurde der Nerv mittels Druck, Hitze und Essigsäure gereizt. Diese Reizungen führten dazu, dass der Nerv zu feuern begann, d.h. die entdeckten Fasern leiteten die noxischen Reize weiter und sind tatsächlich Nozizeptoren.

 

Die hier beschriebene Studie ist ein wertvoller Mosaikstein in der Schmerzforschung bei Fischen und liefert die neuroanatomische Basis für ein Schmerzempfinden von Knochenfischen. Nächste Schritte sind Untersuchungen zur Neurophysiologie und zum Verhalten in Zusammenhang mit Schmerzempfinden.

 

Autorin: L.U. Sneddon

 

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