Originalartikel

 

Burghardt, G.M., Dinets, V., Murphy, J.B., 2015. Highly Repetitive Object Play in a Cichlid Fish (Tropheus duboisi). Ethology 121, 38-44. (abstract)

 

 

Übersichtsartikel zu Spielverhalten

Burghardt, G.M., 2015. Play in fishes, frogs and reptiles. Current Biology 25, R9-R10.

Fisch-Bibliothek 2015
 

Verspielte Fische

Spielverhalten tritt in unterschiedlichen Situationen auf. So spielen Tiere mit anderen Individuen oder mit Objekten oder sie vollführen Bewegungsspiele. Viele Fragen in Zusammenhang mit Spielverhalten sind noch offen. Bisher wurden in der Literatur vor allem spielende Säugetiere und Vögel beschrieben. Vermehrt wird aber auch bei anderen Wirbeltieren und sogar Wirbellosen von spielenden Individuen berichtet, auch wenn diese Berichte eher anekdotischer Natur sind. Anekdoten sind jedoch häufig Ausgangspunkt dafür, bestimmte Verhaltensweisen von Tieren genauer zu untersuchen.

Beim Weisspunkt-Brabantbuntbarsch (Tropheus duboisi) wurde ein Verhalten beobachtet, das die Definition von Spielverhalten zu erfüllen scheint. Diese Fischart wurde nämlich dabei beobachtet, wie sie einen Thermometer herumschubst oder herumträgt. Burghardt und Kollegen haben nun dieses Verhalten quantitativ erfasst und anhand von Kriterien analysiert, ob es sich tatsächlich um Spielverhalten handelt.

Das als „Spielen“ identifizierte Verhalten wurde von allen drei untersuchten Individuen durchwegs und in sehr beständiger Weise gezeigt. Weder Futter noch Konkurrenten konnten das Verhalten nachhaltig beeinflussen. Interessanterweise spielten die Fische nur mit dem Thermometer, nicht aber mit anderen Einrichtungsgegenständen. Dies hing wahrscheinlich mit der Art zusammen, wie sich der Thermometer nach der Manipulation durch die Fische bewegte und wieder auf den Boden zurück sank. Dadurch blieb er wohl für die Fische interessant. Weiter ist bemerkenswert, dass die Buntbarsche das Verhalten nur in der Einzelhaltung zeigten, nicht aber wenn sie zusammen mit Artgenossen und weiteren Fischarten gehalten wurden. Möglich, dass es ihnen langweilig war so alleine.

Diese Fallstudie wirft spannende Fragen in Zusammenhang mit Spielverhalten auf. Warum spielen Tiere, was ist die adaptive Funktion, welches sind die zugrunde liegenden Mechanismen, wie entwickelt es sich, was löst das Spielen in einem Individuum aus? Vielleicht ist es sogar eine interessante Möglichkeit, Fische in der Aquarienhaltung zu unterhalten.  

Autoren: G.M. Burghardt, V. Dinets, J.B. Murphy