Moçambique-Buntbarsch

(© Greg Hume, cc by-sa 3.0)
© Greg Hume, cc by-sa 3.0
 

Versuchsanordnung

 

Der Buntbarsch hat gelernt, die Klapptüre zu öffnen, so dass er zur begehrten Ressource gelangt.

Video mit freundlicher Genehmigung von

L. Galhardo

 

 

 

Originalartikel

Galhardo, L., Almeida, O., Oliveira, R.F., 2011. Measuring motivation in a cichlid fish: An adaptation of the push-door paradigm. Appl. Anim. Behav. Sci. 130, 60-70. (abstract)

Fisch-Bibliothek 2011
 

Weibchen und Futter stehen hoch im Kurs

Eine wichtige Methode in der Verhaltensforschung sind Tests, mit denen man Tiere fragt, welche Bedürfnisse sie haben und welche Dinge sie gegenüber anderen bevorzugen. Man kann sogar noch weiter gehen und testen, wie gross ihre Motivation ist, um eine Ressource zu erreichen. Mit anderen Worten, wieviel Aufwand sie bereit sind zu betreiben, um zum Beispiel an Futter oder Sozialpartner zu kommen. Dadurch erhält die Verhaltensforscherin Informationen aus der Sicht der Tiere. Auch bei Tieren besteht ein Zusammenhang zwischen Bedürfnissen, Motivationen und Gefühlen. Wenn also ein Fisch die gewünschte Ressource bekommt, kann man davon ausgehen, dass er befriedigt ist und dass dadurch sein Wohlbefinden steigt.


Ein solcher Motivationstest wurde mit dem Moçambique-Buntbarsch (Oreochromis mossambicus) durchgeführt. Die Aufgabe für den Buntbarsch war, eine Klapptür mit der Schnauze zu öffnen, so dass er zu einer Ressource gelangte, die sich in einem zweiten Abteil befand. Diese Barsche haben eine starke Schnauze, mit der sie eine Vielzahl von Verhaltensweisen ausführen. In mehreren Trainingsdurchläufen konnten die Fische lernen, die Tür zu öffnen. Als Ressourcen wurden Futter oder ein Weibchen zur Verfügung gestellt. Als Vergleichskontrolle dazu fungierte zusätzlicher Raum mit Bodensubstrat. Um die Motivation der Fische zu testen, wurde die Klapptür anschliessend mit Bleichgewichten beschwert, so dass das Öffnen der Klapptür zunehmend aufwändiger wurde.

 

Mit diesem ausgeklügelten Vorgehen konnte gezeigt werden, dass die Buntbarsche bereit sind, mehr Aufwand für den Zugang zu Futter und Weibchen zu leisten als für zusätzlichen Raum. Für die Buntbarsche waren Futter und Weibchen demzufolge die wertvolleren Ressourcen. Mit dieser Arbeit wurde auch gezeigt, dass Motivationstests auch bei Buntbarschen angewendet werden können. Eine zusätzliche Verfeinerung des Motivationstests und die Verwendung weiterer Ressourcen können noch mehr wertvolle Informationen liefern, was Buntbarschen wollen und wie ihre artgerechte Haltung aussehen sollte.

 

Autorinnen der Studie: L. Galhardo, O. Almeida, R. F. Oliveira

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