Majestätisch

Skalar, Zuchtform, @ F. Lörcher, swild.ch
Skalar, Wildtyp, © Stacy Lynn Baum, Wikicommons

 

 

 

Lebensraum

Amazonasgebiet, © A. Taucher, swild.ch

Dieses Unterwasservideo gibt einen Eindruck, wie der natürliche Lebenraum der Skalare aussehen kann.

 

 

Literatur Fisch-Bibliothek

Gauy, A.C.d.S., Boscolo, C.N.P., Gonçalves-de-Freitas, E., 2017. Less water renewal reduces effects on social aggression of the cichlid Pterophyllum scalare. Applied Animal Behaviour Science. (Zusammenfassung Fisch-Bibliothek

 

Sloman, K.A., Baldwin, L., McMahon, S., Snellgrove, D., 2011. The effects of mixed-species assemblage on the behaviour and welfare of fish held in home aquaria. Appl. Anim. Behav. Sci. 135, 160-168. (Zusammenfassung Fisch-Bibliothek)

 

Saxby, A., Adams, L., Snellgrove, D., Wilson, R.W., Sloman, K.A.p.f., 2010. The effect of group size on the behaviour and welfare of four fish species commonly kept in home aquaria. Appl. Anim. Behav. Sci. 125, 195-205. (Zusammenfassung Fisch-Bibliothek)

 

 

 

Monographie

Hans-Joachim Paepke, 2003. Die Segelflosser, Gattung Pterophyllum. Die neue Brehm Bücherei.

 

Literatur

Cacho, M., Yamamoto, M., Chellappa, S., 2007. Mating system of the amazonian cichlid angel fish, Pterophyllum scalare. Brazilian Journal of Biology 67, 161-165. (abstract)

 

Cacho, M., Chellappa, S., Yamamoto, M.E., 2006. Reproductive success and female preference in the amazonian cichlid angel fish, Pterophyllum scalare (Lichtenstein, 1823). Neotrop. Ichthyol. 4, 87-91. (abstract)

 

Yamamoto, M.E., Chellappa, S., Cacho, M., Huntingford, F.A., 1999. Mate guarding in an Amazonian cichlid, Pterophyllum scalare. J. Fish Biol. 55, 888-891. (abstract)


Degani, G., Yehuda, Y., 1996. Effects of diets on reproduction of angel fish Pterophyllum scalare (Cichlidae). Indian J. Fish 43, 121-126. (abstract)


Degani, G., 1993. Growth and body composition of juveniles of Pterophyllum scalare (Lichtenstein) (Pisces; Cichlidae) at different densities and diets. Aquaculture Research 24, 725-730. (abstract)


Skalar
 

Skalar (Pterophyllum scalare)

 

Skalare gehören zu den beliebtesten und bekanntesten Aquarienfischen. Durch die Züchtung sind viele Zuchtformen entstanden. So gibt es Formen mit Schleierflossen (Schleierskalar), Farbvarietäten (z.B. Schwarzer Skalar, Rauchskalar) und Formen mit vom Wildtyp abweichender Zeichnung (z.B. Marmor-, Weissband- oder Leopardskalar, Albinos oder Goldener Skalar).

 

Anregungen zur Aquarienhaltung

> Skalare gehören zu den grösseren Aquarienfischen. Daher sollten sie in möglichst grossen Aquarien (mind. 200-300 Liter) gehalten werden. Bei dieser hochrückigen Art sollte man auch die Höhe des Aquariums beachten.

 

> Die Territorialität der Skalare während der Fortpflanzungszeit bestimmt die Aquariengrösse und -einrichtung. In zu kleinen Aquarien kommen sich die Paare in die Quere, was zu erhöhter Aggression führen kann.

 

> Eine dem natürlichen Lebensraum nachempfundene Einrichtung des Aquariums, also ausreichend vertikale Strukturen (Pflanzen, Holz), ermöglicht es den Skalaren, ihr natürliches Verhalten zu zeigen.

 

> Auch die Art und Stärke der Beleuchtung sollte berücksichtig werden. Eine zu grelle Beleuchtung sollte vermieden werden.

 

> Vergesellschaftung: Vorsicht geboten ist bei der Vergesellschftung von Skalaren mit andern Arten wie Barben und Salmler, da diese gerne die langen Flossenfortsätzen der Segelflosser anknabbern. Andererseits sind Skalare Raubfische und sehen somit kleinere Fische als Beutetiere an.

 

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Taxonomie, Merkmale, Verbreitung

Taxonomie

Die Skalare oder Segelflosser gehören zur Familie der Buntbarschen (Cichlidae). Neben Pterophyllum scalare umfasst diese Gattung zwei weitere Arten, P. leopoldi und P. altum. Nah verwandte Arten sind die Flaggenbuntbarsche (Mesonauta sp.) und die Diskusfische (Symphysodon sp.)

Merkmale
Skalare sind hochrückige, seitlich abgeflachte Fische. Aufgrund der segelartig ausgebildeten Rücken- und Afterflossen wird diese Gattung Segelflosser genannt. Die Bauchflosse ist stark verlängert. Das senkrechte schwarze Streifenmuster und die Körperfärbung mit hellerem Rücken und dunklerem Bauch dienen der Tarnung vor Fressfeinden.

Verbreitung
Skalare sind Südamerikaner. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über das gesamte Flusssystem des Amazonasgebiets (Peru, Kolumbien, Brasilien) und Guyana. In diesem grossen Verbreitungsgebiet treten viele lokale Formen unterschiedlicher Körpergrösse und mit abweichender Färbung auf.

 

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Lebensraum

Das grossflächige Verbreitungsgebiet der Skalare von den Flussmündungen am Meer bis zu den Flüssen im Vorgebirge der Anden umfasst eine Vielzahl an Lebensräumen. Je nachdem, wo die Flüsse dieses Gewässersystems entspringen, unterscheiden sich die Wassertypen erheblich. Diese werden in Weiss-, Schwarz- und Klargewässer unterschieden, je nach Gehalt an Sedimenten oder Huminsäuren. Dies zeigt, dass sich Skalare im Verlaufe ihrer Entwicklung an unterschiedlichen Bedingungen angepasst haben.

 

Sklare bevorzugen ruhiges, stehendes Wasser und sind daher vorwiegend in Ufernähe von Flüssen und Seen zu finden. Diese Zone ist meist reich an Vegetation und Verstecken. Dies erlaubt es den Skalaren, ihren Fressfeinden (z.B. Welse, Salmler, Kaimane) auszuweichen und in Deckung zu gehen. Die Habitate im Amazonastiefland werden durch Perioden von Hoch- und Niederwasser geprägt mit Schwankungen des Wasserstandes von bis zu 10 Metern und mehr. Im Gewirr der überfluteten Ufervegetation finden die Skalare ideale Bedingungen. Aufgrund ihrer seitlich abgeflachten, hohen Körperform können sie sich problemlos zwischen überfluteten Wurzeln, Stämmen und Ästen bewegen. Wo bei niederem Wasserstand die Vegetation fehlt, halten sie sich auch in Felsspalten auf.

 

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Ernährung

Die Nahrung von Skalare besteht aus verschiedenen Arten von wirbellosen Tiere, z.B. Mückenlarven oder Kleinkrebschen und kleinen Fischen. Ihr eher kleines Maul deutet darauf hin, dass sie sich von kleineren Beutetieren ernähren, denen sie auflauern. Skalare setzen bei der Beutejagd auf ihren Sehsinn. Die Larven ernähren sich von verschiedenen Arten von Protozoa (Einzellern) oder Rädertierchen.

 

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Sozialleben

Skalare sollen eher schreckhafte Fische sein. Ausserhalb der Fortpflanzungperiode und bei Störungen schliessen sie sich zu kleineren Schwärmen zusammen. Wilde Skalare vergesellschaften sich auch mit anderen Arten, z.B. mit Flaggenbuntbarschen (Mesonauta festivus). Schwarmverhalten ist ein oft beobachtetes Verhalten bei Fischen, denn das Leben in der Gruppe gewährt Schutz vor Fressfeinden. Während der Fortpflanzungsperiode etablieren die Männchen ein Territorium, das sie gegen Eindringlinge verteidigen.

 

Fortpflanzung

Skalare haben ein spezielles Fortpflanzungssystem. Sie sind seriell monogam. Das heisst, ein Weibchen und ein Männchen verpaaren sich und ziehen dann den Nachwuchs eine zeitlang gemeinsam auf. Danach pflanzen sich beide erneut fort, aber meist mit neuen Partnern. Skalare weisen ein komplexes Fortpflanzungsverhalten auf. Es beinhaltet das Verteidigen des Territoriums und des Partners, das Balz- und Paarungsverhalten sowie die Fürsorge für den Nachwuchs.

Die Territorien der Männchen befinden sich in den vegetationsreichen Bereichen. Die Weibchen inspizieren die Territorien und die Männchen. Zwischen den Männchen herrscht ein ziemlich starker Konkurrenzkampf um die Weibchen. Es wird gedroht und gekämpft. Die Weibchen ihrerseits sind ziemlich wählerisch. Aufgrund des Paarungsverhaltens des Männchens trifft das Weibchen seine Wahl. Das Verhalten zeigt dem paarungsbereiten Weibchen an, ob das Männchen fähig und gewillt ist, an der Jungenaufzucht teilzunehmen. Generell bevorzugen die Weibchen grössere und erfahrene Männchen und solche, die sich gegen die anderen Konkurrenten durchsetzen können.

 

Das Weibchen braucht die Hilfe des Männchens bei der Jungenaufzucht, ansonsten es die Eier und die Larven nicht gegen Fressfeinde verteidigen kann. Die Eier werden an senkrecht stehenden Wasserpflanzen abgelegt und anschliessend sorgfältig gepflegt. Die Elterntiere befächeln das Gelege und verteidigen es vehement. Eier, die von Pilzen befallen sind, werden entfernt. Die aus den Eiern schlüpfenden Larven können zunächst noch nicht schwimmen. Die Elterntiere befestigen daher diese Larven, die mit Haftdrüsen am Kopf ausgestattet sind, in dichten Gruppen an Wasserpflanzen. Bei Bedarf werden sie von den Eltern umplatziert. Die frei schwimmenden Larven werden von den Eltern noch eine Weile geführt. Die selbständigen Jungfische schwimmen in Gruppen, wo sich ihr Sozialverhalten ausbildet.

 

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