Natürlicher Lebensraum

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Der natürliche Lebensraum einer Fischart gibt Hinweise, welche Strukturen und Reize nötig sind für die artgerechte Einrichtung eines Aquariums.

 

 

weiterführende Literatur

Näslund, J., Johnsson, J.I., 2014. Environmental enrichment for fish in captive environments: effects of physical structures and substrates. Fish Fish., 1-30. (abstract)

 

Young, R.J., 2003. Environmental Enrichment for Captive Animals. Blackwell Publishing Professional, Ames, Iowa, USA.

 

Mellen, J., MacPhee, M.S., 2001. Philosophy of Environmental Enrichment: Past, Present, and Future. Zoo Biol. 20, 211-226. (abstract)

 

Second nature: environmental enrichment for captive animals. 1998. Shepherdson, D.J., Mellen, J.D., Hutchins, M. (eds). Smithonian Institut Pr.

 

 

Umwelt
 

Anreicherung der Umwelt

Die Haltung eines Tiers bedarf einer ganzheitlichen Betrachtung. Die Tiere, ob Zoo-, Nutz-, Labor- oder Heimtiere, leben in einer bestimmten Umgebung. Zu dieser Umgebung gehören das Gehege oder das Aquarium, Artgenossen, die Fütterung, aber auch der Mensch, der das Tier pflegt. Will man die Haltung eines Tiers artgerecht gestalten, kann man auf allen Ebenen ansetzen und diese Umgebung reicher gestalten. Dieses Konzept aus der Tierschutzforschung wird "Anreicherung der Umwelt" genannt (der englische Fachbegriff dazu ist Environmental Enrichment).

Hauptziel
Das Hauptziel der Anreicherung der Umwelt ist, die Haltungsbedingungen zu verbessern und damit das Wohlbefinden der Tiere zu erhöhen. Das Konzept wurde entwickelt, da in der Tierhaltung häufig Probleme im Verhalten der Tiere auftreten. Diese Verhaltensstörungen treten auf, wenn Ressourcen fehlen (z.B. geeignetes Futter, Verstecke, Sozialpartner). Die Tiere können so ihre Bedürfnisse nicht befriedigen und sind mit den ungenügenden Haltungsbedingungen überfordert.

Die Tierschutzforschung zeigt den Weg
Anhand des Konzepts zur Anreicherung der Umgebung wird in der Tierschutzforschung untersucht, welche Reize nötig sind, die Verhalten auslösen können und wichtig für das Überleben sind. Hinweise darauf geben der natürliche Lebensraum und das natürliche Verhalten der Tierart. Aufgrund der Erkenntnisse können die sozialen und physischen Haltungsbedingungen artgerecht gestaltet und im Endeffekt Verhaltensstörungen vermindert oder, noch besser, in ihrer Entstehung ganz verhindert werden.

Die spezifischen Ziele der Umweltanreicherung sind:

  • die Verhaltensdiversität zu fördern,
  • das Normalverhalten zu fördern,
  • abnormales Verhalten zu reduzieren,
  • die Raumnutzung zu verbessern.


Eine komplexe und stimulierende Umwelt schaffen
Für das physische und psychische Wohlbefinden der Tiere sind alle Aspekte einer Haltung wichtig. So kann man die Einrichtung und die Fütterung reicher gestalten, aber auch soziale, kognitive (z.B. Lösen von Aufgaben) und sensorische (z.B. über Gerüche) Reize anbieten.

  • Mit einer reicheren Gestaltung des Geheges oder des Aquariums erhöht sich die Komplexität der Umgebung. Zudem kann man dadurch für das Tier biologisch relevante Informationen anbieten und das Tier dazu motivieren, die Umgebung zu erkunden. Die Einrichtungsstrukturen wie zum Beispiel Pflanzen, Steine, Holz oder auch künstliche Gegenstände können die unterschiedlichsten Funktionen erfüllen. Mit ihrer Hilfe kann der Raum vertikal oder horizontal zugänglich gemacht oder in verschiedene Bereiche aufgeteilt werden (Schlaf-, Fress- oder Erkundungsbereich). Man kann damit auch Sichtschutz, Versteckmöglichkeiten oder Rückzugsräume schaffen (Einrichtung).
  • Die Fütterung ist ein zentraler Bestandteil einer Tierhaltung. Sie ist eine gute Möglichkeit, die Tiere zu beschäftigen und ihre Lernfähigkeiten zu fördern (Fütterung).
  • Das soziale Umfeld ist vor allem bei sozialen und in Gruppen lebenden Tieren wichtig und muss an die artspezifischen Bedürfnisse der Art angepasst sein. (Soziale Umwelt)