Fühlende Fische

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Auch bei Karpfen (Cyprinus carpio) wurden Studien zu Schmerz durchgeführt.

 

 

Video

Bild mit freundlicher Erlaubnis der Autorin.

In diesem Videovortrag gibt Lynne Sneddon, Universität Liverpool, eine gute Übersicht über die Schmerzforschung bei Fischen. In Englischer Sprache.

 

 

Literatur Fisch-Bibliothek

Sneddon, L.U., Braithwaite, V.A., Gentle, M.J., 2003. Novel object test: Examining nociception and fear in the rainbow trout. J. Pain 4, 431-440. (abstract)

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Sneddon, L.U., 2003. The evidence for pain in fish: the use of morphine as an analgesic. Appl. Anim. Behav. Sci. 83, 153-162. (abstract)

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Sneddon, L.U., 2002. Anatomical and electrophysiological analysis of the trigeminal nerve in a teleost fish, Oncorhynchus mykiss. Neurosci. Lett. 319, 167-171. (abstract)

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Literatur Ethik

Wild, M., 2012. Fische. Kognition, Bewusstsein und Schmerz. Beiträge zur Ethik und Biotechnologie, Band 10. (pdf)

 

Segner, H., 2012. Fish. Nociception and pain. Beiträge zur Ethik und Biotechnologie, Band 9. (pdf)

 

Braithwaite, V.A., 2010. Do fish feel pain? Oxford University Press, N.Y.

Dieses Buch ist ein wichtiger Beitrag zur Diskussion um die Empfindungsfähigkeit von Fischen und enthält eine sehr gut geschriebene Zusammenfassung der bahnbrechenden ersten Studien zum Thema.

 
 

Literatur Schmerz-Studien

Sneddon, L.U., 2015. Pain in aquatic animals. J. Exp. Biol. 218, 967-976. (abstract)

 

Braithwaite, V.A., Ebbesson, L.O.E., 2014. Pain and stress responses in farmed fish. Rev. Sci. Tech. Off. Int. Epizoot. 33, 245-253. (abstract)

 

Sneddon, L.U., 2011. Pain Perception in Fish. Evidence and Implications for the Use of Fish. J. Conscious. Stud. 18, 209-229. (abstract)

 

Mettam, J.J., Oulton, L.J., McCrohan, C.R., Sneddon, L.U., 2011. The efficacy of three types of analgesic drugs in reducing pain in the rainbow trout, Oncorhynchus mykiss. Appl. Anim. Behav. Sci. 133, 265-274. (abstract)

 

Roques, J.A.C., Abbink, W., Geurds, F., van de Vis, H., Flik, G., 2010. Tailfin clipping, a painful procedure Studies on Nile tilapia and common carp. Physiol. Behav. 101, 533-540. (abstract)

 

Ashley, P.J., Ringrose, S., Edwards, K.L., Wallington, E., McCrohan, C.R., Sneddon, L.U., 2009. Effect of noxious stimulation upon antipredator responses and dominance status in rainbow trout. Anim. Behav. 77, 403-410. (abstract)

 

Reilly, S.C., Quinn, J.P., Cossins, A.R., Sneddon, L.U., 2008. Behavioural analysis of a nociceptive event in fish: Comparisons between three species demonstrate specific responses. Appl. Anim. Behav. Sci. 114, 248-259. (abstract)

 

Sneddon, L.U., Braithwaite, V.A., Gentle, M.J., 2003. Do fishes have nociceptors? Evidence for the evolution of a vertebrate sensory system. Proceedings of the Royal Society of London, Series B: Biological Sciences 270, 1115-1121. (abstract)

 

 

 

Literatur zur Schmerz-Diskussion

Key, B., 2016. Why fish do not feel pain. Animal Sentience 1, 1-33. (abstract) (mit vielen Kommentaren)

 

Sneddon, L.U., 2013. Pain perception in fish: Why critics cannot accept the scientific evidence for fish pain? Reply to Rose et al., 2012. Fish and Fisheries. (in press)

 

Rose, J.D., et al., 2012. Can fish really feel pain? Fish and Fisheries. (abstract)

 

Braithwaite, V.A. and P. Boulcott, 2007. Pain perception, aversion and fear in fish. Diseases of Aquatic Organisms 75, 131-138 (abstract)

 

Rose, J.D., 2002. The neurobehavioral nature of fishes and the question of awareness and pain. Reviews in Fisheries Science 10, 1-38 (abstract)

Schmerz bei Fischen
 

Fische empfinden Schmerz auf Fischart

Fischen wurde lange ein Schmerzempfinden abgesprochen. Systematische Untersuchungen, z.B. an Forellen, haben aber gezeigt, dass Fische wie andere Wirbeltiere sowohl über die körperlichen als auch geistigen Voraussetzungen verfügen, Schmerzen zu empfinden. Schmerz verursacht Leiden. Leiden ist subjektiv und muss mit indirekten Methoden erfasst werden. Das Schmerzempfinden von Fischen wird seit 2000 intensiver untersucht und führt noch immer zu Diskussionen unter WissenschafterInnen.

 

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Methoden

Ähnlichkeiten

Als indirekte Methoden dienen Vergleiche zwischen Mensch und nichtmenschlichen Tieren. Mit ihrer Hilfe kann festgestellt werden, welche Tiere Schmerzen empfinden können. Dabei wird verglichen, ob beim Mensch und bei nichtmenschlichen Tieren die Strukturen und Funktionen, die in der Schmerzwahrnehmung ein Rolle spielen, Ähnlichkeiten aufweisen (Analogieschluss). Dazu wird untersucht, ob es im Gehirn, bei den Nerven und im Verhalten Merkmale gibt, die auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückgehen (homologe Merkmale, z.B. die Kiemenanlagen beim menschlichen Embryo und beim Fisch) oder die gleiche Funktion haben, aber eine unterschiedliche Struktur und Herkunft aufweisen (analoge Merkmale, z.B. die Flügel von Insekten und Vögeln).

 

Den Ähnlichkeiten der Nervensysteme wird dabei besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Die Gehirne aller Wirbeltiere sind morphologisch gleich aufgebaut und gehen auf einen gemeinsamen Vorfahren zurück. Säugetiere und Vögel sind Wirbeltiere und ihnen wird ein Schmerzempfinden zugesprochen. Fische gehören ebenso zu den Wirbeltieren und daher ist die Annahme plausibel, dass auch Fische Schmerzen empfinden können.

 

Schmerzstudien

  • Fische verfügen über Schmerzrezeptoren 

Um dem Schmerzempfinden bei Fischen auf den Grund zu gehen, wurden verschiedene Studien durchgeführt. In einem ersten Schritt hat man untersucht, ob Fische die neuronanatomischen und -physiologischen Voraussetzungen haben, um auf für den Organismus schädliche Reize zu reagieren. Dazu hat man den Aufbau des Hirns und von bestimmten Nervenzellen (Nozizeptoren) untersucht. Zudem hat man getestet, ob eine Reizung dieser Nervenzellen zu Schmerzsignalen führt, die ins Hirn weitergeleitet werden. 

Die Resultate aus diesen Studien haben ergeben, dass Fische zum einen abstammungsgeschichtlich gleiche (homologe) Hirnregionen wie Säugetiere und Vögel aufweisen. Zum anderen fehlt ihnen zwar die Grosshirnrinde (Neocortex) der Säugetiere, sie weisen aber wie Vögel Hirnregionen auf, die Funktionen der Grosshirnrinde ausüben können (funktionelle Homologie). Weiter steht fest, dass Fische schmerzempfindliche Nervenzellen (Nozizeptoren) von der gleichen Art wie Säugetiere besitzen, die auf schädliche Reize reagieren.

 

  • Fische verfügen über komplexes, informationsverarbeitendes Verhalten

In einem zweiten Schritt hat man über das Verhalten der Fische versucht zu klären, ob Fische Schmerzen empfinden und leiden. Viele Tiere haben die Fähigkeit, Informationen aus ihrer Umwelt aufzunehmen, zu verarbeiten, zu speichern und aktiv zu werden (kognitive Fähigkeiten). Diese Fähigkeit schliesst Wahrnehmung, Lernen, Erinnerung und Entscheidungsfindung mit ein. Durch diese Informationsverarbeitung können Tiere so im Hirn ein Abbild von Vorgängen in der Umgebung oder im eigenen Körper formen.

 

Auch bei Fischen sind viele Beispiele für solche komplexen, informationsverarbeitenden Prozesse dokumentiert. Diese Fähigkeiten hat man sich zunutze gemacht und untersucht, ob schädliche Reize zu verändertem Verhalten bei Fischen führt, ob diese die Angst vor unbekannten Objekten beeinflussen können oder ob Fische schädliche Reize meiden.

Die Resultate aus diesen Studien deuten darauf hin, dass durch Schmerzreize Verhaltensweisen beeinflusst werden, die die Informationsverarbeitung betreffen, also die komplexen Verarbeitungsprozesse im Hirn. Zudem konnten diese Veränderungen im Verhalten durch die Verabreichung von Schmerzmitteln rückgängig gemacht werden. Auch konnte die Reaktion auf einen schädlichen Reiz durch veränderte Umgebungsbedingungen beeinflusst werden.

 

Das sind starke Hinweise darauf, dass die Fische nicht einfach reflexartig auf Schmerzreize reagiert haben, sondern dass höhere informationsverarbeitende Prozesse im Hirn beteiligt waren und die Fische möglicherweise diesen Schmerz bewusst wahrnahmen und leiden können.

 

Diskussion unter Wissenschaftern zu Schmerzempfindung bei Fischen

Einige Wissenschafter vertreten die Ansicht, dass Fische keine Schmerzen empfinden können. Ihr Hauptargument ist, dass Fische nicht die gleichen Hirnstrukturen, genauer keinen Neocortex wie die Säugetiere besitzen. Dieser sei aber für eine Schmerzempfindung nötig. Die Schmerzforscher halten dem entgegen, dass bei Fischen wie bei den Vögeln andere Hirnstrukturen diese Funktion übernehmen. (Literatur rechte Spalte unten)

 

Im neuen Fachjournal "Animal Sentience" wird dieses Thema intensiv weiter diskutiert.