Artspezifische Bedürfnisse

Brokatbarben (Puntius semifasciolatus), © C. Kistler - swild.ch
 

Literatur

Würbel, H., 2009. The state of ethological approaches to the assessment of animal suffering and welfare. Appl. Anim. Behav. Sci. 118, 105-107. (Editorial Material)

 

Volpato, G.L., 2009. Challenges in Assessing Fish Welfare. Ilar J. 50, 329-337. (abstract)

 

Würbel, H. 2007. Biologische Grundlagen zum ethischen Tierschutz. In: Tierrechte (Interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaft Tierrechte, Hrsg.). Harald Fischer Verlag, Erlangen, 11-30.

 

Zur Motivationsforschung:

Galhardo, L., O. Almeida, and R.F. Oliveira, 2011. Measuring motivation in a cichlid fish: An adaptation of the push-door paradigm. Applied Animal Behaviour Science 130 (1-2): p. 60-70.

Zusammenfassung in der Fisch-Bibliothek >>

 

Zur Kognitionsforschung:

Mendl, M., et al., 2009. Cognitive bias as an indicator of animal emotion and welfare: Emerging evidence and underlying mechanisms. Applied Animal Behaviour Science 118 (3-4): p. 161-181. (abstract)

 

Paul, E.S., E.J. Harding, and M. Michael Mendl, 2005. Measuring emotional processes in animals: the utility of a cognitive approach. Neuroscience and Biobehavioral Reviews 29: p. 469-491. (abstract)

 

 

 

 

 

 

Tierschutzforschung
 

Breiter Ansatz

Das Wohlergehen der Tiere muss das oberste Ziel in der Tierhaltung sein. Daher ist man in der Tierschutzforschung bestrebt herauszufinden, wann das Wohlergehen der Tiere, die in menschlicher Obhut leben, gegeben ist. Da Wohlergehen ein subjektiver Zustand ist, muss man indirekte Verfahren anwenden, um Informationen über den Zustand (Wohlbefinden, Leiden) der Tiere zu gewinnen. 

 

In der Tierschutzforschung stehen verschiedene Ansätze und Methoden zur Verfügung, um solche Fragestellung zu bearbeiten. Dafür werden Erkenntnisse aus den verschiedenen Disziplinen der Biologie, aber auch der Medizin, der Veterinärmedizin und der Humanpsychologie herangezogen. In geeigneten Versuchsanordnungen lassen sich so die Ansprüche der Tiere an Haltungssysteme ermitteln. 


 

Messen von Wohlbefinden und Leiden

Das Wohlbefinden von Tieren kann über das Verhalten, über den gesundheitlichen Zustand des Tieres und physiologische Parameter wie beispielsweise die Herzfrequenz, Stresshormone oder immunologische Faktoren gemessen werden. Typischerweise werden Daten zu den verschiedenen Parametern (Verhalten, Physiologie, Immunologie) in Kombination aufgezeichnet, so dass man ein möglichst gutes Gesamtbild über den Zustand des Tiers erhält. Ein neueres und vielversprechendes Feld ist die Emotionsforschung bei Tieren, die neue Erkenntnisse über positive oder negative affektive Zustände bei Tieren liefert.


Präferenztests: Was wollen Tiere?
In sogenannten Präferenztests werden den Tieren zwei oder mehr Ressourcen (Futter, Sozialpartner, mehr Platz, Rückzugsort etc.) zur Auswahl angeboten. Die Tiere zeigen mit ihrem Verhalten an, welche Ressource sie bevorzugen. Die Resultate geben Aufschluss darüber, wie ein Gehege oder ein Aquarium eingerichtet werden sollte, damit die Tiere ihre Bedürfnisse decken können.

Motivationstests: Welcher Aufwand wird betrieben?
Indem man den Zugang zu den einzelnen Ressourcen erschwert, kann man weiter erfassen, wie viel Aufwand die Tiere bereit sind zu betreiben, um an die Ressource heranzukommen. Diejenigen Ressourcen, für die viel Aufwand (gemessen in Form von Energie oder Zeit) betrieben wird, sind die begehrten. Das heisst, die Motivation des Tieres, an die entsprechende Ressource zu kommen, ist hoch.

Emotionen und Kognition: Ist das Glas halb voll oder halb leer?
Aus Studien in der Humanpsychologie weiss man, dass eine Wechselwirkung zwischen Emotionen und Kognition (Informationsverarbeitung) besteht. Negative oder positive Erfahrungen wirken sich unterschiedlich darauf aus, wie eine Situation eingeschätzt wird. Beispielsweise schätzen Leute, die sich in einem negativen emotionalen Zustand befinden, uneindeutige Situation negativer ein als glücklichere Leute. Ist das Glas halb leer oder halb voll? Die Einschätzung einer Situation ist also abhängig von der emotionalen Grundstimmung. Bei Tieren untersucht man diese emotionale Grundstimmung, indem man beispielsweise zuvor gestresste und nicht gestresste Studientiere in uneindeutige Situationen bringt und ihre jeweilige Verhaltensreaktion darauf beobachtet.