Fische haben Bedürfnisse

Wels, © D. Hegglin - swild.ch
 

Literatur

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Wohlbefinden bei Fischen
 

Fische sind leidensfähige Wesen

Die aktuellen Forschungsergebnisse zeigen klar, dass Fische Tiere mit komplexem Verhalten sind, die ihre Umwelt wahrnehmen, sie gestalten und aus Erfahrung lernen können. Sie haben artspezifische Bedürfnisse, leiden unter Stress und empfinden Schmerzen. Diese Erkenntnisse sind bedeutsam für den Umgang mit den von uns genutzten Fischen, denn wir sind für ihr Wohlbefinden verantwortlich.

 

Angepasst an den Lebensraum Wasser

Fische gehören zur Klasse der Wirbeltiere. Sie weisen also eine gewisse Nähe zu Säugetieren und Vögeln auf. Es gilt aber zu beachten, dass die Tiergruppe Fische schon viel länger existiert als Säuger und Vögel und eine eigene, sehr lange Entwicklung durchgemacht haben. In den hunderten von Millionen Jahren haben sich sehr unterschiedliche Anpassungen und Lebensweisen entwickelt. Dies ist wichtig, um zu verstehen, welche Bedürfnisse Fische haben.

 

Ein sehr offensichtlicher Unterschied zu anderen Wirbeltieren ist, dass Fische im Wasser leben und an diesen Lebensraum angepasst sind. Hier herrschen spezielle chemische und physikalische Bedingungen. Über ihre Kiemen und ihre Haut stehen die Fische in sehr engem Kontakt mit ihrer Umwelt und reagieren daher sehr empfindlich auf schlechte Wasserqualität. Ihre Körpertemperatur hängt von der Umgebungstemperatur ab, sie haben also keine konstante Körpertemperatur. Sie brauchen dadurch weniger Energie und reagieren weniger empfindlich auf Nahrungsknappheit. 

 

Auch Fische leiden 

Da alle Wirbeltiere einen gemeinsamen Ahnen haben, weisen sie trotz Unterschieden auch Ähnlichkeiten auf. So sind die biologischen Vorgänge vergleichbar, die einen Einfluss auf das Wohlbefinden von Tieren haben. Es gibt Ähnlichkeiten in der Physiologie, was wichtig ist im Zusammenhang mit der Entstehung von Stress. Auch das Fischhirn, obwohl viel einfacher aufgebaut als das Säugerhirn, ist sehr leistungsfähig, was wichtig ist für das Schmerzempfinden und Verarbeiten von Informationen aus der Umwelt. Zwar können Fische Furcht und Unwohlsein nicht über die Stimme oder die Mimik anzeigen. Dennoch kann man beispielsweise über das Messen von Stresshormonen und das Verhalten Rückschlüsse darauf ziehen, ob Fische gestresst oder ängstlich sind oder Schmerzen empfinden.

 

Es braucht mehr Fisch-Forschung

Bei den Fischen sind viele Aspekte bezüglich Wohlbefinden noch nicht so gut untersucht wie bei anderen Wirbeltieren. Auch bezüglich Krankheiten weiss man noch wenig. Aber die neuen Erkenntnisse aus der Forschung zeigen, dass Fische leiden können. Komplizierter wird die Sache, weil die Gruppe der Fische im Vergleich zu anderen Wirbeltiergruppen (Amphibien, Reptilien, Vögel, Säuger) am meisten Arten aufweist, die alle ihre Eigenarten haben. Daher muss man Untersuchungsmethoden entwickeln und anwenden, die zum einen auf das Wesen Fisch, zum andern aber auch auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der einzelnen Arten ausgerichtet sind.