Originalartikel

 

Bayley, D.T.I., Rose, A., 2020. Multi-species co-operative hunting behaviour in a remote Indian Ocean reef system. Marine and Freshwater Behaviour and Physiology, 1-8. (abstract)

 

 

 

Video

Auf dem Video ist das beobachtete gemeinsame Jagen von Krake und Fischen zu sehen.

 

Weiterführende Informationen

Unter der Rubrik Kognition gibt es weitere Informationen zum diesem Verhalten.

Fisch-Bibliothek 2020
 

Wenn der Krake mit dem Fisch (2020)

Die gemeinschaftliche Jagd setzt eine gewisse Intelligenz (kognitive Fähigkeiten) voraus und besonders dann, wenn sich verschiedene Arten zusammentun und sich verständigen müssen. Diese Jagden können opportunistisch sein, sie können aber auch eine echte Zusammenarbeit zum Vorteil beider Seiten sein.

In dieser kurzen Notiz berichten die Autoren, wie sie im Chagos Atoll im zentralen Indischen Ozean kooperatives Jagen zwischen Kraken und Fischen entdeckten. Sie konnten wiederholt beobachten, wie der Grosse Blaue Krake (Octopus cyanea) zusammen mit Pfauen-Zackenbarschen (Cephalopholis argus), Stierkopf-Zackenbarschen (Epinephelus fuscoguttatus) sowie jungen und erwachsenen Gelben Meerbarben (Parupeneus cyclostomus) Jagd auf kleine Fische und Wirbellose machte.

 

Der Octopus schwimmt voran

 

Die Taucher notierten verschiedene Verhalten, anhand derer sie die Zusammenarbeit beschreiben konnten. Der Oktopus war dabei immer der Anführer, die Fische folgte ihm entweder allein oder in Gruppen. Mit seinem Verhalten und anhand Farb- und Texturwechsel signalisierte Oktopus den Fischen seine Absichten. Als kooperativ stuften sie die Jagd ein, weil je nach Verhalten mal den Fischen, mal dem Oktopus die Beute zufiel.

Der Oktopus und alle drei Fischarten haben ein ähnlich breites Nahrungsspektrum. Alle jagen jeweils tagsüber, haben allerdings unterschiedliche Jagdstrategien. Während der Oktopus seine Beute versucht in den Felsen und Spalten in die Enge zu treiben, suchen die Meerbarben mit ihren Barteln den Untergrund ab und die Zackenbarsche jagen eher im offenen Wasser.

 

Veränderte Umweltbedingungen führen zu neuem Verhalten


Die Autoren vermuten, dass das begrenzte Nahrungsangebot der Auslöser für das gemeinschaftlich Jagen war. Aufgrund hoher Temperaturen wurden in diesem Riff die Korallen stark zerstört. Dies führte dazu, dass der Lebensraum seine strukturelle Vielfalt einbüsste und die Bestände an Beutetieren abnahmen. Der Krake und die Fische reagierten darauf mit neuen gemeinsam Jagdstrategien, auch weil sie mit ihren jeweiligen bisherigen Strategien weniger erfolgreich waren. Diese artenübergreifende Zusammenarbeit könnte also eine indirekte Reaktion auf veränderte Umweltbedingungen sein.