Königliche

Symphysodon aequifasciatus (brauner Phänotyp) © Brian Gratwicke, CC BY 2.0

 

Dieses Video (YouTube) zeigt den natürlichen Lebensraum und das Fortpflanzungsverhalten der Diskusfische.

 

Artikel von Fischwissen

Kistler C. 2020. Formen- und Farbenvielfalt bei Aquarienfischen. Welt der Tiere 2/20. (pdf)

 

 

 
Elterntier mit Nachwuchs: Die Eltern sondern einen Hautschleim ab, den die Jungfische für ihre Entwicklung benötigen.
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Diskusfische sind ein Hingucker. Durch die Zucht sind viele Farbmorphen entstanden.
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Das Streifenmuster ist wichtig für die Kommunikation.
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Diskusfische sollten in Gruppen gehalten werden.
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Diskus
 

Diskusfisch Symphysodon sp.

Diskusfische gehören zu den südamerikanischen Buntbarschen und sind unbestritten ein Hingucker. Die grossen, bunten Fische sind beliebte Aquarienfische, aber anspruchsvoll in der Haltung. Ihre ungewöhnliche Form mit dem abgeflachten, fast runden Körper erinnert an eine Scheibe (Diskus). Mittlerweile wurden von dieser Art viele Farbtypen gezüchtet.

 

Diskusfische haben ein spezielles Brutpflegeverhalten: Sie versorgen ihren Nachwuchs ein paar Wochen mit einem nahrhaften Hautschleim – ähnlich wie Säugtiere ihre Jungen mit Milch aufziehen. Dieses Verhalten hat das Interesse der Forschung geweckt, daher gehören Diskusfische zu den Aquarienfischen, die besser untersucht sind.

 

Anregungen zur Haltung

Diskusfische sind empfindliche Fische, die viel Aufmerksamkeit brauchen. Für gesunde Tiere muss man tiefer ins Portemonnaie greifen. Die friedlichen Fische graben nicht und zupfen auch nicht an den Pflanzen rum.

Aquariengrösse: Diskusfische sollte man in sehr grossen Aquarien halten, am besten ab 600 Litern.

Gruppengrösse: Diskusfische hält man am besten in einer Gruppe, deren Zahl mindestens 7 oder 8 Individuen umfassen sollte. Empfehlenswert ist, die Gruppe als Ganze bei einem Züchter zu erwerben. Mischt man Fische verschiedener Herkunft, können gesundheitliche Probleme auftreten.

Einrichtung: Das Aquarium sollte mit Holz und Pflanzen eingerichtet werden, allerdings nicht zu dicht, damit die Diskus sich zwar zwischen den Strukturen verstecken, aber auch gut hindurch schwimmen können. Dabei sollte auch die ganze Höhe des Aquariums ausgenützt werden. Beim Holz ist allerdings Vorsicht geboten, denn sie scheiden Stoffe aus, die die Diskusfische je nach Holzart zuweilen schlecht vertragen. Moorkienwurzeln haben sich bewährt. Als Bodensubstrat eignet sich feinkörniger San: Die Fütterung sollte sorgfältig erfolgen. Empfehlenswert ist eine abwechslungsreiche, hochwertige Ernährung aus Trocken- und Lebendfutter (Mückenlarven, Artemia, auch gefroren).

Wasserwerte: Weiches, saures bis schwach saures Wasser, pH 4 - 6.7, Gesamthärte 2-10 °dGH , Temperatur 26 - 30 °C

Vergesellschaftung: Diskus sind empfindlich auf Störungen und sollten mit ruhigen Arten vergesellschaftet werden, z.B. mit friedlichen Salmlern, Harnischwelsen.

Zucht: Diskusfische stammen heutzutage vor allem aus südostasiatischen Zuchten. Sie werden aber auch in der Schweiz gezüchtet. Durch züchterische Tätigkeiten sind viele Farbformen entstanden. Empfehlenswert ist jedoch, die Wildtypen zu kaufen, also Individuen, die die ursprüngliche Färbung der wilden Diskusfische aufweisen. Vor allem das Streifenmuster im Gesicht ist wichtig für die Kommunikation. Studien haben gezeigt, dass sich Diskusfische anhand der seitlichen Streifenmuster am Kopf erkennen. Daher ist von Farbformen, die dieses Streifenmuster nicht mehr aufweisen, und auch von albinotischen Formen abzuraten.

 

Taxonomie, Verbreitung und Merkmale

Taxonomie
Die Diskusfische gehören zu den südamerikanischen Buntbarschen (Cichlidae). Sie werden in verschiedene Gruppen unterteilt, die in unterschiedlichen Habitaten vorkommen und unterschiedliche Erscheinungsbilder bzw. Färbungen aufweisen.

 

Die Artbeschreibung ist kompliziert. Eine molekularbiologische Studie aus dem Jahr 2011 (Amado 2011) kommt zum Schluss, dass es im ganzen Amazonasbecken insgesamt 5 Arten – 3 beschriebene Arten und 2 nicht weiter beschriebene Arten – gibt, die sich durch Färbung und Zeichnung (Phänotyp = Erscheinungsbild) unterscheiden:
• Symphysodon discus (Häckel-Phänotyp)

• Symphysodon tarzoo (Grüner Phänotyp)

• Symphysodon aequifasciatus (Brauner Phänotyp)

• Symphysodon sp 1 und Symphysodon sp. 2 (Blauer Phänotyp)

 

Die Arten scheinen aber eng verwandt zu sein (Ng 2021). Vermutlich sind viele Zuchtformen Hybriden, also Kreuzungen aus den wilden Stammformen.

 

 

Verbreitung
Die Diskusfische sind natürlicherweise im vom tropischen Regenwald geprägten Amazonasbecken (Brasilien, Peru, Kolumbien) verbreitet. Sie besiedeln alle drei Gewässertypen des Flusssystems, Weiss-, Klar- und Schwarzwasser. Entsprechend variieren die Wasserparameter (s. Lebensraum).

Merkmale
Diskusfische besitzen eine seitlich stark abgeflachte, aber hohe Körperform. Dies erleichtert es ihnen, sich zwischen dem dichten Gewirr aus überfluteten Ästen und Wurzeln zu bewegen. Mit den dunklen vertikalen Streifen auf drab grün-brauner Körperfarbe sind sie gut getarnt. Bei Gefahr intensiviert sich die Farbe der Streifen, indem sich die Chromatophoren (Hautzellen für die Farbgebung) ausdehnen.

Diskusfische werden ca. 12 bis 13 cm gross, wobei die Männchen grösser werden als die Weibchen. Allerdings ist das Verhältnis von Länge zu Gewicht bei beiden Geschlechtern dasselbe. Die Geschlechter sind schwierig zu unterscheiden. Zuchtformen sollen bis zu 20 cm gross werden.

In Gefangenschaft sollen Diskusfische bis zu 18 Jahre alt werden, wilde Diskus werden vermutlich weniger alt (Feinde, Parasiten).


 

Lebensraum

Diskusfische kommen in den saisonal überschwemmten Wäldern, Seen und Kanälen der Tiefebene des Amazonasbeckens vor. Hier finden sie zwischen Totholz und in eher felsigen Gebieten in Felsspalten Schutz vor Feinden.

Zwischen der Hochwasser- zur Tiefwassersaison schwankt der Pegel des Amazonas zwischen sechs und zwölf Metern. Daher ändern die Lebensbedingungen in diesen Gebieten saisonal stark was die Verfügbarkeit von Futter, die Versteckmöglichkeiten oder der Sauerstoffgehalt im Wasser betrifft, aber auch welche Feinde zugegen sind.

Die Gewässer im Lebensraum der Diskus sind sehr warm (29 bis 34 Grad Celsius), meist sauer bis schwach sauer (pH 4 bis knapp 7), haben meist eine geringe Leitfähigkeit (nur wenig gelöste Mineralien) und weisen einen geringen Sauerstoffgehalt auf. Die Diskusfische haben sich physiologisch an diese harschen Bedingungen angepasst.


 

Ernährung

Während des hohen Wasserstands im Amazonasgebiet finden die Fische reichlich Futter. Gleichzeitig mit dem sinkenden Wasserpegel geht auch die verfügbare Futtermenge zurück.

Die Nahrung von Diskusfischen besteht während der Hochwassersaison vorwiegend aus Algenaufwuchs, feinen organischen Abbauprodukten und pflanzlicher Kost (Blätter, Blüten, Früchte, Samen), während der Tiefwassersaison hingegen machen kleine Wirbellosen (z.B. Krebschen, Mückenlarven) den grösseren Anteil der Nahrung aus.

Der Aufwuchs besteht vorwiegend aus fädigen Algen, die die Äste und Blätter der überfluteten Wälder bedecken. Hier sammeln sich auch viele organischen Abbauprodukte an. Diskus haben einen kleinen Magen und einen langen Darm, was typisch ist für Buntbarsche, die sich von überwiegend pflanzlicher Kost ernähren.

 

Sozialleben

Steht das Wasser tief, schliessen sie sich am Rande der Seen in grossen, stabilen Gruppen von bis zu 100 Individuen zusammen. Hier schwimmen sie im Schutz abgebrochener Äste und Wurzeln umgefallener Bäume herum. Während dieser Zeit sammeln sich auch viele Fressfeinde. Vor diesen bieten grössere Gruppen den besseren Schutz. Steigt der Wasserpegel in der Regenzeit an, verteilen sie sich wieder und suchen alleine oder in kleinen Gruppen nach Futter.

Das Leben in grösseren Gruppen ist südamerikanische Buntbarsche eher untypisch ist. Die meisten Arten leben alleine oder in kleinen Gruppen von weniger als 6 Individuen und zur Fortpflanzung bilden sie Paare, die die Jungen gemeinsam aufziehen. Beim Skalar (Pterophyllum scalare, siehe Artportrait) hat man allerdings ähnlich wie beim Diskus grössere Ansammlungen von ca. 30 Individuen beobachtet. Während der Fortpflanzungszeit verteidigen die Diskus ein Territorium.

Fortpflanzung
Die Dikusfische sind monogam, das heisst, ein Weibchen und ein Männchen ziehen gemeinsam ihren Nachwuchs gross. Die Fortpflanzungszeit beginnt zu Beginn der Hochwasserperiode im November bis Januar. Ihr Nachwuchs findet dann zum einen genug Futter und zum anderen hat es weniger Fressfeinde. Zu Beginn der Tiefwasserperiode sind sie dann bereits gut entwickelt.


Sie sind mit einem Jahr geschlechtsreif. Zum Ablaichen suchen die Diskusfische die weniger dicht besiedelte überfluteten Flachufer auf und laichen hier im Gehölz ab. Den befruchteten Laich befestigen sie an gut verankertem Substrat nahe der Wasseroberfläche. Hier sind die Eier gut mit Sauerstoff versorgt.

 

Möglicherweise lösen eine veränderte Leitfähigkeit des Wasser durch sich ändernde Umweltbedingungen ein synchronisiertes Ablaichen der Diskusfische aus. Nach der Eiablage sind die Eltern während drei bis vier Wochen damit beschäftigt, den Nachwuchs aufzuziehen.

 

Brutpflege: Diskuseltern ernähren ihren Nachwuchs mit Hautschleim

Diskusfische zeigen ein spezielles Brutpflegeverhalten, das an Säugetiere erinnert, die ihren Nachwuchs mit Milch versorgen: Beide Elternteile sondern aktiv einen Hautschleim ab, den die frisch geschlüpften Larven abweiden.

 

Bei Knochenfischen besteht die Hauptfunktion des Schleims darin, Feinde abzuwehren und vor Infektionen und Verletzungen zu schützen. Bei einigen Arten hat sich im Verlaufe der Evolution eine weitere Funktion entwickelt und zwar diejenige, den Nachwuchs damit mit Nahrung zu versorgen (Satoh 2020).

Die Diskus-Jungfische brauchen diese Nahrung zwingend für ihre Entwicklung (Buckley 2010). Der Schleim – auch «Diskusmilch» genannt – liefert ihnen Nährstoffe, essentielle Aminosäuren, Antikörper, Mikroorganismen und Hormone (z.B. Cortisol). Am meisten Antikörper enthält der Schleim, wenn die Jungfische beginnen, frei zu schwimmen. Der Gehalt sinkt, sobald die Jungfische andere Nahrung aufnehmen (Buckley 2010).

Je älter die Larven werden, desto häufiger beissen sie Schleim von der Haut. Dies führt dazu, dass sich die Eltern nach etwa drei Wochen beginnen, dem Nachwuchs zu entziehen. Denn durch die Pickerei wird die Schleimschicht laufend verletzt und muss ständig neu aufgebaut werden, was viel Energie kostet und somit auch den Erfolg der zukünftigen Fortpflanzung beeinflusst. Die Jungfische beginnen schliesslich vermehrt andere Nahrung aufzunehmen und werden so schrittweise entwöhnt bis sie selbständig sind.

 

Entwicklung der Larven

63 Stunden nach der Befruchtung schlüpfen die Larven. Die Larven besitzen sechs Drüsen am Kopf, mit denen sie sich am Substrat festhalten können. Das verhindert, dass sie weggeschwemmt werden. Bis zu drei Tag lang bleiben sie so fixiert.

 

Ab dem vierten Tag schwimmen sie bereits frei, halten sich jedoch in der Nähe der Eltern auf und fixieren sich jeweils nachts mit der Hilfe der Eltern wieder am Substrat. Zudem beginnen sie jetzt, vom elterlichen Hautschleim abzubeissen.

 

Den Dottersack haben sie bereits nach sieben Tagen aufgebraucht. Nach 12 Tagen hat sich die Larve ganz gestreckt und nach 18 Tagen sind die Flossen fertig entwickelt. Ab diesem Zeitpunkt spricht man von Jungfischen. Diese schwimmen immer besser, ernähren sich vermehrt von Aufwuchs, Zooplankton und Wirbellosen.

 

Schliesslich sind sie im Alter von drei bis vier Wochen entwöhnt und leben immer unabhängiger von den Eltern

(Satho, 2017, Crampton 2008, Buckley 2010).

 

Entwicklung der Darmflora bei den Larven

Eine interessante Studie wurde zur Darmflora der Diskusfische gemacht. Die Darmflora spielt eine Hauptrolle bei der Immunabwehr, beim Wachstum und der Verwertung der Nahrung. Üblicherweise baut sich bei Fischen die Darmflora auf, indem die Larven Mikroorgnismen aus der Umwelt, also dem Wasser und der Nahrung aufnehmen.

 

Diskuslarven hingegen erwerben ihre Darmflora zwar zuerst auch über die Umwelt, ab dem Alter von 4 Tagen jedoch vermehrt über den Hautschleim der Eltern, ähnlich wie bei Säugetieren die Darmflora über die Muttermilch aufgebaut wird. Die Zusammensetzung der Mikroorganismen im Hautschleim der Eltern ändert sich zudem während der Aufzucht der Larven (Sylvain 2017).

 

Eine weitere Studie zeigt, dass sich die Zusammensetzung des Hautschleims zwischen dem Weibchen und dem Männchen unterscheidet und sich über die Zeit verändert. Dies macht deutlich, dass die Elterntiere die Larven über ihren Hautschleim mit jeweils unterschiedlichen Nährstoffen versorgen (Wen 2020).

 

Verwendete Literatur

Amado, M.V., Farias, I.P., Hrbek, T., 2011. A molecular perspective on systematics, taxonomy and classification amazonian discus fishes of the genus symphysodon. Int J Evol Biol 2011, 360654.

 

Buckley, J., Maunder, R.J., Foey, A., Pearce, J., Val, A.L., Sloman, K.A., 2010. Biparental mucus feeding: a unique example of parental care in an Amazonian cichlid. J. Exp. Biol. 213, 3787-3795.

 

Crampton, W.G.R., 2008. Ecology and life history of an Amazon floodplain cichlid: the discus fish Symphysodon (Perciformes: Cichlidae). Neotrop. Ichthyol. 6, 599-612.

 

Mattos, D.d.C., Screnci-Ribeiro, R., Cardoso, L.D., Junior, M.V.V., 2016. Description of the reproductive behavior of Symphysodon aequifasciatus (Cichlidae) in captivity. Acta Amazonica 46, 433-438.

 

Ng, T.T., Sung, Y.Y., Danish-Daniel, M., Sorgeloos, P., de Peer, Y.V., Wong, L.L., Tan, M.P., 2021. Genetic variation of domesticated discus (Symphysodon spp.). Aquaculture, Aquarium, Conservation & Legislation 14, 832-840.

 

Satoh, S., Tanaka, H., Kohda, M., 2016. Facial Recognition in a Discus Fish (Cichlidae): Experimental Approach Using Digital Models. PloS one 11, e0154543.

 

Satoh, S., Tanoue, H., Ruitton, S., Mohri, M., Komatsu, T., 2016. Morphological and behavioral ontogeny in larval and early juvenile discus fish Symphysodon aequifasciatus. Ichthyol. Res. 64, 37-44.

 

Satoh, S., Sowersby, W., 2020. Mucus provisioning behavior in teleost fishes: a novel model system for the evolution of secretory provisioning in vertebrates. Ichthyol. Res. 68, 1-10.

 

Sylvain, F.E., Derome, N., 2017. Vertically and horizontally transmitted microbial symbionts shape the gut microbiota ontogenesis of a skin-mucus feeding discus fish progeny. Sci Rep 7, 5263.

 

Wen, B., Zhou, J.Q., Gao, J.Z., Chen, H.R., Shen, Y.Q., Chen, Z.Z., 2020. Sex-dependent changes in the skin mucus metabolome of discus fish (Symphysodon haraldi) during biparental care. J Proteomics 221, 103784.