Der Maulbrüter

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Auf diesem Video (YouTube) kann man ein Weibchen mit seinen Nachwuchs im Maul sehen.

 
 
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Der natürliche Lebensraum von Labidochromis caeruleus ist die felsige Uferzone des Malawisees.

 
© Claudia Kistler / fischwissen.ch

Das Aquarium sollte man daher mit Steinen einrichten, die viele Verstecke bieten.

 

Literatur

Saemi-Komsari, M., Mousavi-Sabet, H., Kratochwil, C.F., Sattari, M., Eagderi, S., Meyer, A., 2018. Early developmental and allometric patterns in the electric yellow cichlid Labidochromis caeruleus. J. Fish. Biol. 92, 1888-1901 (abstract).

Moore, E.C., Roberts, R.B., 2016. Genital morphology and allometry differ by species and sex in Malawi cichlid fishes. Hydrobiologia 791, 127-143. (Artikel)

 

Konings, A., 2016. Malaŵi Cichlids in Their Natural Habitat. 5th edition. El Paso, Texas: Cichlid Press.

 

Genner, M.J., Turner, G.F., 2012. Ancient hybridization and phenotypic novelty within Lake Malawi's cichlid fish radiation. Mol Biol Evol 29, 195-206. (abstract)

Kawai, K., Yoshikawa, N., Imabayashi, H., 2001. Relationships between spot type on male anal fin of Malawian mouth-brooding cichlid fishes and mating behavior. Journal of the Faculty of Applied Biological Science Hiroshima University 40, 27-32. (abstract)

Ribbink, A.J., Marsh, B.A., Marsh, A.C., Ribbink, A.C., Sharp, B.J., 1983. A preliminary survey of the cichlid fishes of rocky habitats in Lake Malawi. South Afr. J. Zool. 18, 149-310. (Artikel)

Lewis, D.S.C., 1982. A revision of the genus Labidochromis (Teleostei, Cichlidae) from Lake Malawi. Zoological Journal of the Linnean Society 75, 189-265. (abstract)

Malawi-Buntbarsch
 

Malawi-Buntbarsch Labidochromis sp. Yellow

Labidochromis caeruleus stammt aus dem Malawi-See, der mit dem Viktoria- und dem Tanganjikasee zu den drei grossen ostafrikanischen Seen gehört. Die drei Seen beherbergen eine sehr grosse Vielfalt an Buntbarscharten. Allein im Malawisee leben über 800 endemische Arten, also Arten, die nur hier vorkommen. Labidochromis caeruleus ist einer der populärsten Malawisee-Buntbarsche. In der Aquaristik ist die farbenprächtige goldene oder gelbe Variante «Yellow» weit verbreitet.

 

Anregungen zur Aquarienhaltung

Labidochromis caeruleus gehört zu den kleineren Malawisee-Buntbarscharten. Die Art erreicht eine Grösse von ca. 10 cm.

Aquariengrösse: Das Aquarium sollte mindestens ein Volumen von 375 Litern (150L × 50B × 50H cm) haben. Wichtig ist auch die Breite des Beckens, ideal wäre deshalb ein Becken von 150L × 60B × 50H cm oder 150L× 80B ×50 H cm.

Gruppengrösse: Die Art ist im Vergleich zu anderen Malawisee-Buntbarscharten wenig territorial und eher friedlich. Sie sollte stets in grösseren Gruppen gehalten werden.

Einrichtung: Der Bodengrund sollte aus hellem Sand bestehen und ca. 5 cm dick sein. Steine und Steinplatten sind so anzuordnen, dass viele, auch durchgängige Spalten und Höhlen entstehen, wohin sich die Tiere zurückziehen und einander ausweichen können. Robuste Wasserpflanzen können für eine lockere Bepflanzung verwendet werden.

Futter: Verfüttert werden kann Granulat- und Trockenfutter sowie Lebend- und Frostfutter wie Wasserflöhe, Mückenlarven (keine roten) und Artemien.

Wasserwerte: Sauberes, sauerstoffreiches und nicht zu weiches Wasser, Gesamthärte 6–10° dGH, Temperatur 23–26 °C, pH 7,5–8,5.

Vergesellschaftung: Bei genügender Aquariengrösse kann die Art mit anderen felsbewohnenden Buntbarscharten vergesellschaftet werden. Es sollten jedoch Arten gewählt werden, deren Männchen sich farblich unterscheiden, damit keine Rivalitäten entstehen.

 

Taxonomie, Merkmale, Verbreitung

Taxonomie
Labidochromis caeruleus gehört zur Familie der Buntbarsche (Cichlidae). Bisher wurden in der Gattung Labidochromis 20 Arten wissenschaftlich beschrieben (Eschmeyer’s Catalog of Fishes).

Merkmale
Diese Buntbarschart wird ca. 10 cm gross und gehört damit zu den eher kleineren Malawi-Buntbarscharten. Das Weibchen bleibt in der Regel etwas kleiner. Bezüglich Färbung gibt es bei dieser Art im Gegensatz zu vielen anderen Malawi- Buntbarscharten keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Auch die Jungtiere weisen bereits die Färbung der erwachsenen Tiere auf.


Die Art kommt jedoch in verschiedenen Farbmorphen und ihren Zwischenformen vor: Weiss ohne schwarze Bänder, Weiss mit einem stiefschwarzen Band an der Rückenflosse und an der Afterflosse sowie eine gelbe Variante. Bei der gelben Farbvariante sind Männchen und Weibchen kontrastreich gefärbt mit zitronengelber Körperfarbe, tiefschwarzen Bauchflossen sowie einem breiten, dunklen Längsband in den Rücken- und Afterflossen. Die Männchen entwickeln eine leichte blaue Farbschattierung während der Fortpflanzungszeit.

 

Verbreitung
Der Malawi-Buntbarsch Labidochromis caeruleus ist eine endemische Art des nördlichen Teils des Malawisees, das heisst, sie kommt weltweit nur dort vor.

 

Lebensraum

L. caeruleus lebt in den felsigen Uferregionen des Malawisees und hält sich von der Oberfläche bis in eine Tiefe von 40 Metern auf. In seinem Lebensraum wachsen auch Wasserpflanzen der Art Vallisneria spiralis (Gewöhnliche Wasserschraube).

 

Sozialleben

Die Buntbarsche aus dem Malawisee werden aufgrund ihrer Lebensweise in zwei Gruppen aufgeteilt: Die Mbuna und die Utaka. Die Mbuna sind Felsbewohner der Uferregion des Malawisees. Sie sind territorial und die Männchen verteidigen ihre Reviere gegen Artgenossen. Die Utaka hingegen leben teilweise in grossen Gruppen im freien Wasser in Küstennähe oder über Sandböden und sind friedlicher.


Obwohl die Labidochromis-Arten von der Lebensweise her zu den Mbuna gehören, sind sie viel weniger aggressiv, da sie weniger territorial sind. L. careuleus ist nicht territoral und lebt eher einzelgängerisch oder in Paaren.

Fortpflanzung
Alle Malawisee-Buntbarscharten und somit auch L. caeruleus sind Maulbrüter. Das paarungswillige Männchen präsentiert dem Weibchen seine Körperseite und spreizt die Flossen. Er lockt das Weibchen zur zuvor anlegten Sandgrube, wo es in schräger, nach unten gerichteter Körperhaltung stehenbleibt. Als nächstes laicht das Weibchen in die Grube ab und nimmt die Eier mit dem Maul auf und lässt sie vom Männchen befruchten. Dazu orientiert es sich an den Eiflecken an der Afterflosse. Die weitere Pflege des Laichs, der aus ca. 30 bis 40 Eiern besteht, (Saemi-Komsari 2018), erfolgt im Mund des Weibchens.

Das Larvenstadium dauert ca. zwei Wochen. Sind die Dottersackvorräte aufgebraucht, verlassen die Jungtiere das schützende Maul der Mutter und beginnen, selber Futter zu suchen. Die Jungfische entwickeln bereits im Alter von 15 Tage nach dem Schlupf die Körperform und Färbung der Elterntiere.

 

Besonderes: Maulbrüten

Das Maulbrüten hat sich bei Fischen in mehreren Familien und Gattungen entwickelt. Es kommt bei Arten vor, die im Meer-, im Brack- oder im Süsswasser leben, so zum Beispiel bei Labyrinthfischen oder eben bei vielen ostafrikanischen Buntbarscharten. Es stellt eine weit entwickelte Form der Brutpflege dar.


Möglicherweise hat sich dies Art der Brutpflege bei gewissen Arten aus einem Pflegeverhalten entwickelt, bei dem die Jungtiere zuweilen ins Maul genommen werden und in deren Lebensraum die Bedingungen für den Nestbau ungünstig sind. Bei Buntbarschen gibt es Arten, die zwar auf Substrat ablaichen, die Jungfische dann aber für den Transport in ein anderes Nest ins Maul nehmen oder um sie vor Feinden zu schützen. Auch Konkurrenzdruck oder die Neubesiedlung von Habitaten könnten Gründe dafür sein, dass sich das Maulbrüten entwickelt hat.

Im Zuge der Entwicklung dieser Art der Brutpflege sind einige Anpassungen in Verhalten und Morphologie entstanden. Damit der Laich sauber bleibt, befächeln Substratbrüter mit ihren Flossen den Laich. Bei den Maulbrütern hat sich daraus ein Verhalten entwickelt, bei dem die Eltern zum diesem Zweck den Laich im Mund herumwirbeln. Veränderte Formen bei den Genitalien, Eiflecken an den Analflossen und eine effiziente Befruchtung sowie Aufnahme der befruchteten Eier sind weitere Anpassungen

Viele Maulbrüter haben im Vergleich zu Substratbrütern eher weniger, dafür grössere Eier. Die Eier besitzen keine Haftbereiche und werden in mehreren Portionen abgegeben. Es gibt Arten, die die Jungfische nicht mehr ins Maul aufnehmen, wenn diese mal das Maul verlassen haben, andere hingegen nehmen sie eine zeitlang noch auf. Dies könnte damit zusammenhängen, wieviel Dotter den Jungfischen zu Verfügung steht. Je weniger Dotter, desto länger kümmern sich die Eltern um ihren Nachwuchs.

Während des Ausbrütens der Eier nimmt das Elterntier meist kein Futter auf, das Husten, Gähnen und Schlucken wird sorgfältig kontrolliert. Bei den meisten Arten brütet entweder das Weibchen oder das Männchen die Eier aus.